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  • AutorenbildSilke Büttner

Über das Malen

2017/05/16



Über Bilder zu schreiben hilft oft den Blick zu schulen und zu intensivieren. Dennoch empfinde ich es auch als einen Umweg. Es spart zwangsäufig gerade den Teil der Bilder aus, der sie vom Text unterscheidet - das Unsagbare, das ja gerade eine Eigenheit visueller Eindrücke ist. Dieser Mehrwert des Sichtbaren gegenüber dem Sagbaren fasziniert mich an der Beschäftigung mit Bildern ganz besonders - genauso wie der Mehrwert von dem, was unser Denken und Tun bestimmt, gegenüber dem rationalen Alltagsbewusstsein.

Entsprechend ist die praktische künstlerische Arbeit für mich keine Tätigkeit, bei der Ergebnis genau vorgeplant ist und nach einem klaren Konzept realisiert wird. So strukturiert ich auch in meiner wissenschaftlichen Forschung vorgehe, beim Zeichnen und Malen folge ich aufscheinenden Bildern und Ideen, die ich nicht suche, die wie von selbst auftauchen. Gerade diejenigen, bei denen ich mich nach Abschluss der Arbeit frage: "War ich das?", faszinieren mich besonders.


Fabienne Verdier, - eine französische Künstlerin, deren Buch Zeichen der Stille (2006) über ihre Ausbildungszeit im China der 80er Jahre mich sehr begeistert und inspiriert - sagte einmal

"Meine Malerei ist für mich ein Ritual. Wenn ich die Leinwand betrete, die auf dem Boden liegt, dann betrete ich einen von der Umgebung unterschiedlichen Raum und beginne das Ritual. Und wenn ich bereit bin hineinzuhorchen in die Pinselspitze, die für die Chinesen heilig ist, dann heißt das, dass eine immense Arbeit vorangegangen ist. Denn ich muss jede Form von Intelligenz vergessen, jeden Gedanken, um an einen Seelenzustand heranzukommen, der die Sinne öffnet, um wirklich lauschen zu können. Der einzige Weg zu diesem Wissen, also zu dieser Art von Malerei, ist die Intuition. Es ist ein langer Weg, bis diese Intuition wirklich offen ist." (Aus einem Gespräch zwischen Fabienne Verdier und Doris von Drathen 2010)


Für mich bedeutet dieser Weg das Herantasten an einen stark fokussierten Zustand, bei dem die Kontrolle des Alltagsbewusstseins stark gelockert ist.

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